Schnedl: Digitalisierung – Quo vadis?

Die Arbeitswelt ändert sich grundlegend. Die industrielle Produktion ist längst nicht mehr der einzige Bereich, der durch die Digitalisierung völlig verändert wird. Digitalisierung durchdringt mittlerweile alle Arbeits- und Lebensbereiche.

Das Tempo der digitalen Durchdringung aller Lebensbereiche ist enorm und die Herausforderungen sind groß. Fast alle Formen von Arbeit verlieren die örtliche und zeitliche Gebundenheit. Dieses große Maß an möglicher Flexibilisierung birgt neben großen Chancen auch viele Risiken. Viele Tätigkeiten werden in Zukunft von Maschinen geleistet werden können. Ausgeklügelte Softwareprodukte wer­ den in naher Zukunft viele Entscheidungsprozesse durch die Auswertung (immer mehr) vorhandener und leicht verfügbarer digitaler Daten aufbereiten können. Tätigkeiten, die bisher hoch qualifizierten Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern vorbehalten waren. Roboter lernen kognitive Fähigkeiten zu simulieren und Empathie zu zeigen. Diese Entwicklung steht erst am Beginn. Am Beginn der digitalen Revolution!

Mehr Lebensqualität

Grundsätzlich sollte es positiv bewertet werden, wenn Menschen durch Entlastung von Arbeit ein Mehr an Freiheit gewinnen können. Doch um diesen Zustand zu erreichen, müssen Regelungen getroffen werden, die sicherstellen, dass die Vorteile der Digitalisierung nicht nur einigen wenigen, die dadurch unermesslich reich werden, zugute kommen, sondern dass alle – sprich: jedes Mitglied der Gesellschaft – davon profitieren. In einem viel beachteten Vortrag hat der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann zur Thematik festgehalten: „Aber eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Wir steuern, und ich würde sagen, das ist ein großer Vorteil, in eine Gesellschaft, in der wir eigentlich, nachdem so viele Tätigkeiten maschinell erledigt werden können, in der wir eigentlich ein Mehr an Freiheit, ein Zugewinn an Großzügigkeit, ein Mehr an Muße realisieren können müssten. Und ich stelle Ihnen schon die Frage: Warum spüren wir nichts davon? Warum spüren wir nichts davon, dass wir unsere Industrieproduktionsprozesse automatisiert haben, dass wir unendlich viel Kreativität in unsere Wirtschaft haben fließen lassen, das Ziel aller Automatisierung, Maschinisierung. Und das war ja auch eine Idee des Bürgertums, des ökonomischen Bürgertums. Von Anfang an war es die Idee gewesen, den Menschen von Arbeit zu entlasten.

Das heißt also: Warum geht nicht ein großes Aufatmen durch unsere Gesellschaft, dass wir dank unserer technischen Produktivität jetzt mehr Möglichkeiten haben, uns den wirk­ lichen Dingen unseres Lebens, unseres Daseins zuzuwenden?“

Roboter als Vortragende

Welche Auswirkungen wird Digitalisierung zum Beispiel im Bereich der Universitäten bzw. Erwachsenenbildung haben? Ist der „vortragende Roboter“ zu weit hergeholt? Bereits 2011 hat ein dänischer Universitätsprofessor einen ihm ähnlichen Roboter gebaut, der vor den Studentinnen und Studenten Vorlesungen gehalten hat. Univ.­ Prof. Henrik Schärfe auf die Frage, ob und wann die Studierenden etwas gemerkt hätten: „Manche haben anfangs gar nicht gemerkt, dass da durch eine Maschine zu ihnen gesprochen wird, die erfuhren das erst in der Pause.“ Prof. Schärfe war im Zuge des Projektes mehr daran interessiert, wie ein Roboter aussehen müsse,
damit Akzeptanz erreicht werden könne. Die Londoner „Times“ wählte Schärfe 2012 wegen seiner Roboterforschungen in die Liste der „100 einflussreichsten Menschen der Welt“.*

Mittlerweile hat sich die Technik enorm weiterentwickelt und die Pionierarbeiten von Prof. Schärfe haben den Grundstein dafür gelegt, dass Roboter der Zukunft kognitive Fähigkeiten von Menschen si­mulieren können und Empathie zeigen. Es ist nur mehr eine Frage von wenigen Jah­ren, bis die ersten Roboter z. B. für ein­ fache Schulungszwecke oder Ähnliches eingesetzt werden können. Die mensch­ lichen Vortragenden könnten dadurch viel mehr Zeit für die notwendige individuelle Betreuung von Studierenden bekommen.

Mensch im Mittelpunkt

In vielen Industriebereichen, im Handel, aber zum Beispiel auch in der Banken­landschaft und in der Versicherungsbran­che führt diese Entwicklung zu einem
massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen. Im Gegenzug schafft diese neue Entwicklung viel zu wenig neue Arbeitsplätze, um entsprechend zu kompensieren. Daher stellt sich die Frage nach der Neuverteilung von Arbeit genauso wie die Fragen nach dem Arbeitsrecht und der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Ebenso ist es notwendig, die neu entstehenden Kontrollmöglichkeiten durch den Arbeitgeber entsprechend einzuschränken.
Digitalisierung findet statt. Unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist es, diese Entwicklung mit den damit verbundenen enormen Möglichkeiten so zu gestalten, dass ausnahmslos alle Mitglieder einer Gesellschaft davon profitieren und der Mensch im Mittelpunkt steht. Ethik und Werte können und dürfen nicht durch Softwareoptimierung ausgeschaltet werden, sonst erodiert die gesamte Gesellschaft. Und Digitalisierung darf nicht zu einem Geldvermehrungs­pro­gramm für einige wenige verkommen, sondern muss Vorteile für alle bringen.

* vgl. unispIegel 4/2013, Künstliche Menschen: Mein Professor der Roboter.

Schnedl: Wir müssen umdenken!

Als Gesellschaft stehen wir an einer Weggabelung. Setzen wir den Weg fort, der das Finanzsystem und das Wirtschaftssystem über alles andere stellt? Der die Menschen und die Umwelt ausbeutet. Ein Weg, in dem die Menschen den Systemen dienen müssen? Oder nehmen wir an dieser Gabelung den anderen Weg und fordern unmissverständlich, dass alle von Menschen geschaffenen Systeme auch allen Menschen zu Gute kommen müssen?

In unserem Grundsatzprogramm haben wir das Konzept der Ökosozialen Marktwirtschaft als notwendiges Wirtschaftssystem zur Bewältigung unserer drängendsten Zukunftsfragen festgeschrieben. Das beinhaltet ein klares Bekenntnis zu einem Wirtschafts- und Finanzsystem, das allen Menschen dient und nicht umgekehrt!

Zurzeit erleben wir eine Entwicklung, die den Profit über alles stellt. Jedes Handeln wird in Geld bewertet, hemmungsloser Wettbewerb in allen Bereichen führt zu immer mehr Arbeitsdruck. Viele Menschen kommen mit dem enormen Tempo nicht mehr mit. Die beginnende Digitalisierung trägt ihr Übriges bei. Die Menschen verlieren ihre letzten Freiräume. Die Folgen sind eine Vielzahl verschiedener psychischer Erkrankungen – wie z.B. Burnout. Auf der anderen Seite wird auch die Umwelt ausgebeutet wie noch nie. Ohne Rücksicht auf die Natur werden Produktionsmethoden im Sinne von mehr Profit optimiert. Die Umwelt und die in der Produktion beschäftigten Menschen spielen eine untergeordnete, auf Gewinn ausgerichtete Rolle.

Um diese Entwicklung zu stoppen, brauchen wir ein Wirtschafts- und Finanzsystem, das soziale Verantwortung und ökologische Vernunft gleichberechtigt zur Frage des wirtschaftlichen Erfolgs begreift. Erst dann ist es möglich, nachhaltige Entwicklungen zu erreichen und zu gewährleisten, sodass alle Menschen profitieren, nicht nur einige wenige, sodass der Mensch im Mittelpunkt steht.

Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika „Laudato si“ in sehr klarer Sprache aufgezeigt, dass dieser Weg beschritten werden muss. Wenn wir eine gute Zukunft haben wollen, müssen wir handeln – und zwar jetzt!

Schnedl: Othmar Karas – ein Europapolitiker, der die Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt

Othmar Karas, VP-Spitzenkandidat und Vizepräsident des Europaparlaments, referierte beim Bundesvorstand der Fraktion Christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter und warb für ein sozialeres Europa: „Ich bin der Kandidat für alle, die in Europa in erster Linie Chancen und keine Bedrohung sehen. Ich bin der Kandidat für alle, denen klare Werte und klare Worte in und für Europa ein Anliegen sind. Ich arbeite für ein erfolgreiches Österreich in einem besseren Europa.“

In den Mittelpunkt seines politischen Wirkens stellt Karas „den Respekt vor der Würde jedes Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und Religion. Wenn wir kein Klima schaffen, in dem wir die Würde des Menschen respektieren, haben wir eine Politik, in der immer einer Schuld ist, und das will ich nicht.“

„Othmar Karas ist ein Politiker mit Handschlagqualität, ein bekennender Christgewerkschafter und setzt sich für die Anliegen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein. Er ist ein verlässlicher Partner, der die Soziale Marktwirtschaft als Errungenschaft Europas sieht. Als Sachpolitiker und Vizepräsident des Europäischen Parlaments genießt er einen ausgezeichneten Ruf und ist über die Fraktionen hinweg anerkannt“, so der Bundesvorsitzende der Christgewerkschafterinnen und Christgewerkschafter, ÖGB-Vizepräsident Norbert Schnedl.

Besonders unterstützt Othmar Karas auch die Kandidatur von Jean-Claude Juncker, der von der Europäischen Volkspartei (EVP) für die Position des Kommissionspräsidenten vorgeschlagen ist und seine Wurzeln in der christlichen Gewerkschaftsbewegung hat. Karas wie auch Juncker engagieren sich seit vielen Jahren bei den Europäischen Christdemokratischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. „Gemeinsam setzen sie sich für eine nachhaltige, Soziale Marktwirtschaft ein, ein Konzept, welches die FCG seit Jahren forciert. Eng verknüpft mit der Sozialen Marktwirtschaft ist das Europäische Sozialmodell, welches quasi eine Erfindung der Christlich-Sozialen ist“, so Schnedl weiter.

„Die Stimme von Othmar Karas hat Gewicht in Europa. Seine christlich-sozialen Wurzeln bestimmen sein politisches Handeln. Deshalb bin ich dem Unterstützungskomitee ‚www.wir-fuer-karas.at‘ beigetreten“, so Schnedl abschließend.

Wien, am 25. März 2014