105. Frauentag – Wir haben immer noch viel zu tun!

„In den vergangenen 105 Jahren ist im Bereich der Frauenpolitik sehr viel passiert, aber es gibt noch viel zu tun, bis Frauen und Männer in allen Lebensbereichen gelebte Gleichberechtigung erleben können. Hier muss noch sehr viel an Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit weitere Verbesserungen umgesetzt werden können“, so die FCG-Bundesfrauenvorsitzende Monika Gabriel anlässlich des 105. Internationalen Frauentages.

„Gerade in der Diskussion um die Pensionsreform ist immer wieder das Schlagwort ‚Erhöhung des Frauenpensionsantrittsalters im ASVG-Bereich’ aufgetaucht. Hier siegte nach zahlreichen Verhandlungsrunden die Vernunft und es wird wie gesetzlich verankert ab 2024 schrittweise angehoben. Dies ist auch sehr wichtig, denn die Frauen haben eine Perspektive verdient, auf der sie ihre Lebensphasenplanung aufbauen“, so Gabriel weiter.

Mit der Diskussion um die Erhöhung des Frauenpensionsantrittsalters verbunden ist auch oft eine Diskussion um die Teilzeitquote, und hier vor allem um die bei den Frauen. Monika Gabriel sieht hier die Wirtschaft gefordert, denn: „Die eigenständige, selbstbestimmte und erwerbstätige Frau muss auch die finanziellen Möglichkeit erhalten, mit ihrem Einkommen auszukommen. Daher sind sichtlich mehr Vollzeitarbeitsplätze notwendig, die von der Arbeitgeberseite zu schaffen sind. Denn jene Frauen, die Vollzeit arbeiten wollen, sollen dies auch können.“

„Allein diese beiden angesprochenen Themen zeigen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Nutzen wir daher den Tag ganz besonders, um über die Erfolge in der Frauenpolitik zu reflektieren, nutzen wir ihn aber auch, um darüber nachzudenken, was wir tun können, um die Gleichberechtigung und Partnerschaftlichkeit in vielen Bereichen weiter voranzutreiben“, fordert Gabriel abschließend, die sich gleichzeitig bei den vielen Kolleginnen bedankt, die heute und morgen zahlreiche Aktionen durchführen, um auf die Wichtigkeit der verschiedenen frauenspezifischen Themen aufmerksam zu machen.

Schnedl: Unser Pensionssystem ist gut aufgestellt!

„Die von bestimmten Kreisen gesteuerte Panikmache bezüglich des österreichischen Pensionssystems ist absurd. Die in diesem Zusammenhang erhobenen Forderungen würden zu massiven Pensionskürzungen führen und das Umlagesystem insgesamt in Frage stellen. Die Umlagefinanzierung im österreichischen Pensionssystem sorgt für Stabilität und ist seit Jahrzehnten krisenfest. Wenn sog. „Pensionsexperten“ eine „Unfinanzierbarkeit“ des Systems behaupten, ist das rein interessengeleitet. Mit den Fakten hat das nichts zu tun. Laut Berechnungen des Finanzministeriums steigen die Kosten des Pensionssystems bis 2060 um 0,5 Prozentpunkte des BIP an. Bei dem zu erwartenden Anstieg der älteren Personen bis zu diesem Zeitpunkt muss diese Perspektive für eine der reichsten Volkswirtschaften dieser Welt wohl leicht bewältigbar sein“, kritisiert der Bundesvorsitzende der Christgewerkschafterinnen und Christgewerkschafter, ÖGB-Vizepräsident Norbert Schnedl, die von der Industrie, Teilen der Wirtschaft und anderen lancierte unsachliche Diskussion zur Diskreditierung eines gut funktionierenden Systems.

„Das Umlagesystem braucht – im Gegensatz zu jedem kapitalgedeckten System – keine Vergangenheit und unterliegt nicht den extremen Schwankungen des Kapitalmarktes. Ziel des österreichischen Pensionssystems ist die Lebensstandardsicherung und das soll auch so bleiben“, so Schnedl.

„Die Drittelfinanzierung des Systems – ein Drittel zahlen die Arbeitnehmer, ein Drittel die Arbeitgeber und ein Drittel wird aus Steuermitteln bestritten – ist eine bewährte Grundlage, die auch Krisen sehr gut überstanden hat. Unser solidarisches Pensionssystem ist krisenfest und hat sehr wesentlich zum sozialen Frieden in Österreich beigetragen“, schließt Schnedl.

Schnedl: Digitalisierung – Quo vadis?

Die Arbeitswelt ändert sich grundlegend. Die industrielle Produktion ist längst nicht mehr der einzige Bereich, der durch die Digitalisierung völlig verändert wird. Digitalisierung durchdringt mittlerweile alle Arbeits- und Lebensbereiche.

Das Tempo der digitalen Durchdringung aller Lebensbereiche ist enorm und die Herausforderungen sind groß. Fast alle Formen von Arbeit verlieren die örtliche und zeitliche Gebundenheit. Dieses große Maß an möglicher Flexibilisierung birgt neben großen Chancen auch viele Risiken. Viele Tätigkeiten werden in Zukunft von Maschinen geleistet werden können. Ausgeklügelte Softwareprodukte wer­ den in naher Zukunft viele Entscheidungsprozesse durch die Auswertung (immer mehr) vorhandener und leicht verfügbarer digitaler Daten aufbereiten können. Tätigkeiten, die bisher hoch qualifizierten Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern vorbehalten waren. Roboter lernen kognitive Fähigkeiten zu simulieren und Empathie zu zeigen. Diese Entwicklung steht erst am Beginn. Am Beginn der digitalen Revolution!

Mehr Lebensqualität

Grundsätzlich sollte es positiv bewertet werden, wenn Menschen durch Entlastung von Arbeit ein Mehr an Freiheit gewinnen können. Doch um diesen Zustand zu erreichen, müssen Regelungen getroffen werden, die sicherstellen, dass die Vorteile der Digitalisierung nicht nur einigen wenigen, die dadurch unermesslich reich werden, zugute kommen, sondern dass alle – sprich: jedes Mitglied der Gesellschaft – davon profitieren. In einem viel beachteten Vortrag hat der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann zur Thematik festgehalten: „Aber eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Wir steuern, und ich würde sagen, das ist ein großer Vorteil, in eine Gesellschaft, in der wir eigentlich, nachdem so viele Tätigkeiten maschinell erledigt werden können, in der wir eigentlich ein Mehr an Freiheit, ein Zugewinn an Großzügigkeit, ein Mehr an Muße realisieren können müssten. Und ich stelle Ihnen schon die Frage: Warum spüren wir nichts davon? Warum spüren wir nichts davon, dass wir unsere Industrieproduktionsprozesse automatisiert haben, dass wir unendlich viel Kreativität in unsere Wirtschaft haben fließen lassen, das Ziel aller Automatisierung, Maschinisierung. Und das war ja auch eine Idee des Bürgertums, des ökonomischen Bürgertums. Von Anfang an war es die Idee gewesen, den Menschen von Arbeit zu entlasten.

Das heißt also: Warum geht nicht ein großes Aufatmen durch unsere Gesellschaft, dass wir dank unserer technischen Produktivität jetzt mehr Möglichkeiten haben, uns den wirk­ lichen Dingen unseres Lebens, unseres Daseins zuzuwenden?“

Roboter als Vortragende

Welche Auswirkungen wird Digitalisierung zum Beispiel im Bereich der Universitäten bzw. Erwachsenenbildung haben? Ist der „vortragende Roboter“ zu weit hergeholt? Bereits 2011 hat ein dänischer Universitätsprofessor einen ihm ähnlichen Roboter gebaut, der vor den Studentinnen und Studenten Vorlesungen gehalten hat. Univ.­ Prof. Henrik Schärfe auf die Frage, ob und wann die Studierenden etwas gemerkt hätten: „Manche haben anfangs gar nicht gemerkt, dass da durch eine Maschine zu ihnen gesprochen wird, die erfuhren das erst in der Pause.“ Prof. Schärfe war im Zuge des Projektes mehr daran interessiert, wie ein Roboter aussehen müsse,
damit Akzeptanz erreicht werden könne. Die Londoner „Times“ wählte Schärfe 2012 wegen seiner Roboterforschungen in die Liste der „100 einflussreichsten Menschen der Welt“.*

Mittlerweile hat sich die Technik enorm weiterentwickelt und die Pionierarbeiten von Prof. Schärfe haben den Grundstein dafür gelegt, dass Roboter der Zukunft kognitive Fähigkeiten von Menschen si­mulieren können und Empathie zeigen. Es ist nur mehr eine Frage von wenigen Jah­ren, bis die ersten Roboter z. B. für ein­ fache Schulungszwecke oder Ähnliches eingesetzt werden können. Die mensch­ lichen Vortragenden könnten dadurch viel mehr Zeit für die notwendige individuelle Betreuung von Studierenden bekommen.

Mensch im Mittelpunkt

In vielen Industriebereichen, im Handel, aber zum Beispiel auch in der Banken­landschaft und in der Versicherungsbran­che führt diese Entwicklung zu einem
massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen. Im Gegenzug schafft diese neue Entwicklung viel zu wenig neue Arbeitsplätze, um entsprechend zu kompensieren. Daher stellt sich die Frage nach der Neuverteilung von Arbeit genauso wie die Fragen nach dem Arbeitsrecht und der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Ebenso ist es notwendig, die neu entstehenden Kontrollmöglichkeiten durch den Arbeitgeber entsprechend einzuschränken.
Digitalisierung findet statt. Unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist es, diese Entwicklung mit den damit verbundenen enormen Möglichkeiten so zu gestalten, dass ausnahmslos alle Mitglieder einer Gesellschaft davon profitieren und der Mensch im Mittelpunkt steht. Ethik und Werte können und dürfen nicht durch Softwareoptimierung ausgeschaltet werden, sonst erodiert die gesamte Gesellschaft. Und Digitalisierung darf nicht zu einem Geldvermehrungs­pro­gramm für einige wenige verkommen, sondern muss Vorteile für alle bringen.

* vgl. unispIegel 4/2013, Künstliche Menschen: Mein Professor der Roboter.

Wer Gewerkschaften verbietet, verbietet Demokratie!

Wolfgang Pischinger, Vorsitzender der Fraktion Christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in der GPA-djp, zeigt sich entsetzt über die Aussagen des oberösterreichischen Obmanns der Wirtschaftskammer.

Dessen Meinung zeuge von einem fehlenden Demokratieverständnis und offensichtlich gibt es immer noch Menschen in der österreichischen Politik, die nichts aus der Geschichte gelernt haben.

Die Gewerkschaften sind für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer da und darüber hinaus ein wichtiges Symbol für Meinungsfreiheit. „Man muss sich wirklich fragen, ob jemand, der sich den Zustand des Jahres 1934, als Gewerkschaften verboten wurden, zurück wünscht, tatsächlich eine Position in der Politik haben sollte“, so Pischinger.

Gerade die erfolgreiche Zusammenarbeit von Wirtschaft und Gewerkschaften haben Österreich zu einem Land mit höchster sozialer Sicherheit gemacht. „Diese Tatsache sollten wir uns von einzelnen Funktionären, die sich mit solchen Aussagen einfach nur selbst disqualifizieren, nicht schlecht reden lassen“, so Pischinger abschließend.

Gabriel: Verkürzung der Elternteilzeit ist ein No-Go

„Die geplante Verkürzung der Elternteilzeit vom derzeit 7. Lebensjahr auf das 5. Lebensjahr ist ein absolutes „No-Go“ für die FCG-Frauen. Es gibt gerade im Bereich der Kinderbetreuung zahlreiche offene Baustellen, die zuerst bearbeitet werden müssen, bevor über eine Veränderung bei der Elternteilzeit nachgedacht werden kann“, zeigt sich die Bundesfrauenvorsitzende der Fraktion Christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter im ÖGB (FCG), Monika Gabriel, verwundert über das Ansinnen der Bundesregierung, zumal im Regierungsprogramm nur von einer Überprüfung gesprochen werde.

„Die Länder, Gemeinden und Kommunen müssen die § 15-A-Vereinbarung in Bezug auf den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze zu 100 Prozent erfüllen. Bund, Länder, Gemeinden und Kommunen müssen die Rahmenbedingungen, vor allem in Hinblick auf die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen sowie der Tageseltern überprüfen und den Bedürfnissen der Eltern anpassen. Hier gibt es vor allem im ländlichen Bereich noch deutlichen Aufholbedarf. Denn es kann nicht als zeitgemäß angesehen werden, dass Kindergärten über Mittag oder schon um 12:30 Uhr schließen. Hier besteht Handlungsbedarf. In der Eltern-Realität lassen sich Öffnungszeiten von 7.30 bis 12.30 Uhr ohne Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis nicht mit dem Ansinnen der Regierung nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie verknüpfen“, so Gabriel weiter.

„Jede Veränderung bei der Elternteilzeit wäre ein Eingriff in die Rechte der Erwerbstätigen. Aber nicht nur das, es wäre auch ein Anschlag auf die Wahlfreiheit der Eltern. Die Entscheidung wie, sie ihr Kind betreuen bzw. betreuen lassen und wie lange und ob sie arbeiten, muss bei den Eltern liegen. Die Aufgabe der Politik ist es, die optimalen Rahmenbedingungen dafür zur Verfügung zu stellen“, so Gabriel abschließend.

Schnedl: Wir müssen umdenken!

Als Gesellschaft stehen wir an einer Weggabelung. Setzen wir den Weg fort, der das Finanzsystem und das Wirtschaftssystem über alles andere stellt? Der die Menschen und die Umwelt ausbeutet. Ein Weg, in dem die Menschen den Systemen dienen müssen? Oder nehmen wir an dieser Gabelung den anderen Weg und fordern unmissverständlich, dass alle von Menschen geschaffenen Systeme auch allen Menschen zu Gute kommen müssen?

In unserem Grundsatzprogramm haben wir das Konzept der Ökosozialen Marktwirtschaft als notwendiges Wirtschaftssystem zur Bewältigung unserer drängendsten Zukunftsfragen festgeschrieben. Das beinhaltet ein klares Bekenntnis zu einem Wirtschafts- und Finanzsystem, das allen Menschen dient und nicht umgekehrt!

Zurzeit erleben wir eine Entwicklung, die den Profit über alles stellt. Jedes Handeln wird in Geld bewertet, hemmungsloser Wettbewerb in allen Bereichen führt zu immer mehr Arbeitsdruck. Viele Menschen kommen mit dem enormen Tempo nicht mehr mit. Die beginnende Digitalisierung trägt ihr Übriges bei. Die Menschen verlieren ihre letzten Freiräume. Die Folgen sind eine Vielzahl verschiedener psychischer Erkrankungen – wie z.B. Burnout. Auf der anderen Seite wird auch die Umwelt ausgebeutet wie noch nie. Ohne Rücksicht auf die Natur werden Produktionsmethoden im Sinne von mehr Profit optimiert. Die Umwelt und die in der Produktion beschäftigten Menschen spielen eine untergeordnete, auf Gewinn ausgerichtete Rolle.

Um diese Entwicklung zu stoppen, brauchen wir ein Wirtschafts- und Finanzsystem, das soziale Verantwortung und ökologische Vernunft gleichberechtigt zur Frage des wirtschaftlichen Erfolgs begreift. Erst dann ist es möglich, nachhaltige Entwicklungen zu erreichen und zu gewährleisten, sodass alle Menschen profitieren, nicht nur einige wenige, sodass der Mensch im Mittelpunkt steht.

Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika „Laudato si“ in sehr klarer Sprache aufgezeigt, dass dieser Weg beschritten werden muss. Wenn wir eine gute Zukunft haben wollen, müssen wir handeln – und zwar jetzt!