Gabriel: 106. Frauentag – Wir haben immer noch viel zu tun!

„In den vergangenen Jahrzehnten ist im Bereich der Frauenpolitik sehr viel passiert, aber es gibt noch viel zu tun, bis Frauen und Männer in allen Lebensbereichen gelebte Gleichberechtigung erleben können. Hier muss noch sehr viel an Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit weitere Verbesserungen umgesetzt werden können“, so die FCG-Bundesfrauenvorsitzende Monika Gabriel anlässlich des 106. Internationalen Frauentags.

„Die am vergangen Wochenende vorgebrachten Vorschläge der ‚Agenda Austria’ zur Schließung der Einkommensschere widerstreben dem Gedanken der Wahlfreiheit für die Eltern. So wichtig das Schließen der Einkommensschere ist, führen solche Modelle eher dazu, dass Familien darüber nachdenken, ob sie überhaupt ein Kind bekommen sollen. Dass Kinder für unsere Gesellschaft wichtig sind, steht für mich außer Frage, genauso wie das Kindeswohl“, lehnt Gabriel die Vorschläge der Agenda Austria strikt ab.

„Wir wollen Eltern, aber auch alleinerziehenden Müttern und Vätern die Wahlfreiheit bei der Auswahl des Modells der Bezugsdauer des Kinderbetreuungsgeldes bieten. Das ist mit dem Kinderbetreuungsgeldkonto auch deutlich gelungen. Der Familienbonus, die flexibleren Varianten und die stärkere Einbeziehung der Väter sind richtige Schritte“, betont Gabriel.

 „Ein Einkommen, das ein gutes Leben ermöglicht, muss für alle möglich sein. Der neueste Sozialbericht des Sozialministeriums zeigt klar auf, dass Frauen stärker armutsgefährdet sind als Männer. Im Gleichstellungsranking des Weltwirtschaftsforums rutschte Österreich um 15 Plätze auf Platz 52 ab. Ein Alarmsignal für die Politik, die endlich aufwachen muss“, fordert Gabriel klare Schritte.

 „Vorschläge wie die der Agenda Austria tragen wenig zur Beseitigung des Gender Pay Gap bei. Hier müssen andere Mechanismen greifen. Unter anderem müssen tradierte Rollenbilder an das Hier und Jetzt angepasst werden. Es kann und darf nicht sein, dass die volle Verantwortung für die Kinderbetreuung in den Händen der Mütter liegt und diese deshalb später in die Altersarmut abrutschen. Väter müssen noch stärker in die Verantwortung gebracht werden. Die Rahmenbedingungen für Familien müssen verbessert und die Anrechnung von Karenzzeiten müssen angepasst werden“, nennt Gabriel einige Möglichkeiten, um die Situation der Frauen zu verbessern.

 „Allein die angesprochenen Themen zeigen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Nutzen wir daher den Tag ganz besonders, um über die Erfolge in der Frauenpolitik zu reflektieren, nutzen wir ihn aber auch, um darüber nachzudenken, was wir tun können, um die Gleichberechtigung und Partnerschaftlichkeit in vielen Bereichen weiter voranzutreiben“, fordert Gabriel abschließend, die sich gleichzeitig bei den vielen Kolleginnen bedankt, die heute und morgen zahlreiche Aktionen durchführen, um auf die Wichtigkeit der verschiedenen frauenspezifischen Themen aufmerksam zu machen.

Schnedl: Zugangsvoraussetzungen für die Mindestsicherung müssen geändert werden!

Die Zugangsvoraussetzungen sollen so geändert werden, dass eine bedarfsorientierte Mindestsicherung erst nach einer Mindestzeit von drei Jahren aktiv geleisteter Sozialversicherungsbeiträge aufgrund einer Beschäftigung bzw. Selbständigkeit in Österreich greifen kann,“ fordert der Bundesvorsitzende der Christgewerkschafter, ÖGB-Vizepräsident Norbert Schnedl, anlässlich der aktuellen Diskussion zum wiederholten Male eine umfassende Änderung des Systems Mindestsicherung. 

„Wir wollen keine Kürzung der Mindestsicherung, aber wenn noch nie Beiträge in das österreichische Sozialversicherungssystem geleistet wurden, müssen andere Instrumente greifen. Das steigert die Akzeptanz der Mindestsicherung und macht gleichzeitig auch deutlich, dass Sozialsysteme keine Einbahnstraße sind“, so Schnedl weiter, der damit auch eine Systemüberlastung verhindern will. „Wichtig ist uns auch, endlich die Umsetzung der Transparenzdatenbank voranzutreiben, damit Förderungen, Subventionen und Transfers von Bund, Ländern und Gemeinden transparent am Tisch liegen. Erst dann können sinnvoll Schlüsse gezogen werden, ohne Härtefälle entstehen zu lassen“, zeigt er eine wirkungsvolle Alternative zur Kürzungsdebatte auf.  

„Für Asylberechtigte fordern wir, da dieser Personenkreis üblicherweise noch keine Beiträge in das Österreichische Sozialversicherungssystem geleistet hat, anstelle der Mindestsicherung eine Integrationsunterstützung, die an bestimmte Integrationsleistungen wie z.B. Spracherwerb, Ausbildungen um eine Erwerbsfähigkeit zu erlangen, Akzeptanz der Werte des Gastlandes, Einhaltung sämtlicher Grund- und Freiheitsrechte, usw., geknüpft ist. Nach spätestens drei Jahren soll die Integration so weit erfolgt sein, dass ein Eintritt in den Österreichischen Arbeitsmarkt möglich wird. Bei Integrationsverweigerung bzw. mangelndem Integrationswillen soll nur mehr die Grundversorgung, die derzeit nur für Asylwerber ausbezahlt wird, bis zum Wegfall des Asylgrundes ausbezahlt werden“, erklärt Schnedl die Notwendigkeit für Asylberechtigte bessere Instrumente mit dem Ziel der schnelleren Integration zu schaffen.

Soziale Frage bleibt virulent

Seit Erscheinen der ersten Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ vor 125 Jahren hat sich vieles zum Besseren gewendet, enorme Herausforderungen stehen allerdings an, so der Tenor bei der Festveranstaltung „Gesellschaft im Wandel. 1891-2016. 125 Jahre Soziallehre“, zu der am 2. Juni gemeinsam von der Fraktion christlicher Gewerkschafter im ÖGB, der Katholischen Arbeitnehmer/innen Bewegung Österreich und der ksoe (Kath. Sozialakademie Österreichs) eingeladen worden war.
 
Die „soziale Frage“ müsse auch heute im Mittelpunkt stehen, so FCG-Vorsitzender und ÖGB-Vizepräsident Norbert Schnedl in seiner Begrüßung. Er nannte dabei die zunehmende Entkoppelung von Arbeit, Zeit und Örtlichkeit. Als Beispiel führte Schnedl „Internetplattformen“ an, auf denen verschiedene Arbeitspakete angeboten werden – bei fehlender sozialer Absicherung und Stundensätzen von beispielsweise USD 1,50 pro Stunde, was dem Tagesverdienst im Wert einer Pizza gleichkomme, so Schnedl.
 
Wallimann-Sasaki: Modelle des Genug
 
Thomas Wallimann-Sasaki, Sozial- und Wirtschaftsethiker sowie Leiter des Sozialinstituts der KAB Schweiz, skizzierte in seinem Beitrag den Wandel der Arbeitswelt von der Industrialisierung bis hin zur „Industrie 4.0“ mit Digitalisierung, „Internet der Dinge“ und dem Versprechen, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Es sei kritisch zu hinterfragen, ob damit dasselbe gemeint sei wie mit dem Personalitätsprinzip in der Soziallehre.
Die „soziale Frage“ von heute sei wesentlich die der „sozialen Sicherung“ so der Sozialethiker. Als aktuelle Probleme nannte Wallimann-Sasaki außerdem die zunehmende Intensivierung der Arbeit und auch neue Formen der Kontrolle der ArbeitnehmerInnen, die neuerdings wieder feststellbare Zusammenführung von Arbeiten und Wohnen in der Entwicklung hin zu „home offices“. Auch dieser Trend sei verbunden mit dem Risiko zunehmender Kontrolle und neuen Formen der Effizienzsteigerung.
 
Kritisch betrachtete der Referent die derzeitigen „Wirtschafts-Philosophien“, wobei z.B. Wachstum als Naturgesetz postuliert werde. Tatsächlich handle es sich bei der Diskussion um Wirtschaftswachstum um eine Glaubensfrage. Vielmehr brauche es „Modelle des Genug“ und das Fragen nach dem Ziel von Wachstum.
 
Der Sozialinstituts-Leiter plädierte dafür, den Wandel so gestalten, dass es „jedem gut gehen könne“. Als Wegweiser benannte er die Prinzipien der katholischen Soziallehre und als Boden für diese Wegweiser nannte er das christliche Menschenbild. In Erinnerung zu rufen sei immer wieder, dass die Wirtschaft dem Menschen zu dienen habe und nicht umgekehrt. Das Sabbatgebot sei die Kurzformel dafür.
 
Holztrattner: Gutes Leben für alle
 
Die Leiterin der ksoe (Kath. Sozialakademie Österreichs) Magdalena Holztrattner erinnerte in ihrem Beitrag daran, dass die Soziallehre der Kirche den Blick auf das Leid von Menschen und die dahinterliegenden Verhältnisse richte, die „nicht naturgegeben“ seinen, sondern „veränderbar“. Es gehe auch heute um eine Orientierung am „guten Leben für alle Menschen“. Dabei sprechen wir über die Mehrheit der Weltbevölkerung, so Holztrattner. Diese erinnerte auch an die vielen Errungenschaften seit Veröffentlichung der ersten Sozialenzyklika: allgemeines und Frauen-Wahlrecht, Sozialstaat oder etwa die Möglichkeit, dass Frauen selbst über ihre Erwerbstätigkeit entscheiden können.
 
Mit der Veröffentlichung von „Laudato si´“ im Vorjahr sei der Blick einmal mehr geweitet worden, so Holztrattner. Zum Blickpunkt armer Menschen sei auch der Blick auf die „ausgebeutete Mitwelt“ gekommen. Diese jüngste Sozial- und Umweltenzyklika richte sich erstmals auch an alle Menschen und ermögliche eine neue interreligiöse Spiritualität, weil dabei zum Ausdruck komme, dass wir alle Geschwister sind und alles Leben und Sein verbunden ist. Wie überhaupt aus der ganzen Soziallehre, sei auch aus „Laudato si´“ Mut und Hoffnung zu gewinnen, dass – mit dem „Blick von unten“ – die Gestaltung eines sozial verantwortlicher Wandel möglich sei.
 
Als aktuelle Herausforderungen nannte die Theologin, Armutsforscherin und Pädagogin die Neudefinition von Arbeit, die auch unbezahlte Arbeit adäquat abbilden müsse, die weitreichenden Konsequenzen des nördlichen Konsummodells, die Schieflage bei der Verteilung. Insbesondere ging die Expertin auf globale Probleme ein: die mangelnde internationale Durchsetzung der Arbeitsrechte, die in verschiedenen Ländern unterbundene gewerkschaftliche Organisation, die Ausbeutung der Natur, die Verseuchung der Meere, die produzierten Bruchstellen von Produkten oder auch das gravierende Problem der Atommüllendlagerung, der unfaire Milchpreis und das derzeitige Care-System.
 
Holztrattner wies darauf hin, dass „dem Markt“ Grenzen durch die Politik zu setzen seien und Alternativen sichtbar gemacht und bestärkt gehören, wie z.B. Formen solidarischen Wirtschaftens. Aufgabe der Kirche müsse es sein, das „soziale Gewissen“ zu stärken, durch Bildung, Förderung demokratischer Strukturen und das Hochhalten der Hoffnung.
 
Hartmann-Schäfers: Menschenrecht auf Wasser
 
Mechthild Hartmann-Schäfers befasste sich in ihrem Input mit dem Thema Wasser, das in der Sozialenzyklika „Laudato si´“ ein eigenes Kapitel bekommen hat. Dass dem Thema Trinkwasser diese große Bedeutung eingeräumt werde, sei neu in der Soziallehre, so die Leiterin der ZASS (Stiftung „Zukunft der Arbeit und der sozialen Sicherheit“). Die globale Wasserkrise drohe sich immer mehr zuzuspitzen. Bereits heute sterben 1,5 Millionen Kinder unter 5 Jahren an wasser- und sanitärbedingten Krankheiten. Es werde bereits damit gerechnet, dass 2050 die Hälfte der Weltbevölkerung unter extremer Wassernot leiden werde. Kritisch zu verfolgen sei die Tendenz des „water grabbing“ (analog zum „land grabbing“), wobei Wasser immer mehr zur Handelsware werde und immer mehr Menschen nur mehr verschmutztes Wasser bleibe. Papst Franziskus betone hingegen, dass Wasser ein Menschenrecht sei. Hartmann-Schäfers ging in ihrem Beitrag auf die vielfältigen Problemzusammenhänge ein: auf den hohen Wasserverbrauch, der durch die industrielle (auf Fleischkonsum orientierte) landwirtschaftliche Produktion und globale Distribution von Lebensmitteln bedingt ist, auf die Wasserverschmutzung, die Verunreinigung der Weltmeere mit „Plastikinseln“ und „Plastikteppichen“, die sogar schon die Schifffahrt gefährdeten, die dramatischen Folgen der Klimaerhitzung wie das voraussichtliche endgültige Aus des „Großen Barriere-Riffs“ vor Australien.
 
Mit dem Beitrag der ZASS-Leiterin wurde auch die Ausstellung „Wasser ist Leben“ mit Kunstwerken der Kölner Künstlerinnen Anne Bölling-Ahrens und Mechthild Hartmann-Schäfers im ÖGB-Catamaran in Wien eröffnet, die noch bis 13. Juni zu sehen ist. Die Installationen, Drucke, Collagen und Skulpturen thematisieren unseren Umgang mit der elementaren Ressource Wasser. Die Ausstellung versteht sich in der Tradition einer politischen Kunst, die letztlich zum Handeln anregen möchte.

Fotos der Veranstaltung finden Sie hier.

Schnedl: Brauchen umfassende Änderung des Systems Mindestsicherung

„Eine Reform der Mindestsicherung ist unumgänglich. Die Zugangsvoraussetzungen sollen so geändert werden, dass eine bedarfsorientierte Mindestsicherung erst nach einer Mindestzeit von drei Jahren aktiv geleisteter Sozialversicherungsbeiträge aufgrund einer Beschäftigung bzw. Selbständigkeit in Österreich greifen kann,“ fordert der Bundesvorsitzende der Christgewerkschafter, ÖGB-Vizepräsident Norbert Schnedl, eine umfassende Änderung des Systems Mindestsicherung.

 „Wir wollen keine Kürzung der Mindestsicherung, aber wenn noch nie Beiträge in das österreichische Sozialversicherungssystem geleistet wurden, müssen andere Instrumente greifen. Das steigert die Akzeptanz der Mindestsicherung und macht gleichzeitig auch deutlich, dass Sozialsysteme keine Einbahnstraße sind“, so Schnedl weiter, der damit auch eine Systemüberlastung verhindern will. „Wichtig ist uns auch, endlich die Umsetzung der Transparenzdatenbank voranzutreiben, damit Förderungen, Subventionen und Transfers von Bund, Ländern und Gemeinden transparent am Tisch liegen. Erst dann können sinnvoll Schlüsse gezogen werden, ohne Härtefälle entstehen zu lassen“, zeigt er eine wirkungsvolle Alternative zur Kürzungsdebatte auf.

 „Für Asylberechtigte fordern wir, da dieser Personenkreis üblicherweise noch keine Beiträge in das Österreichische Sozialversicherungssystem geleistet hat, anstelle der Mindestsicherung eine Integrationsunterstützung, die an bestimmte Integrationsleistungen wie z.B. Spracherwerb, Ausbildungen um eine Erwerbsfähigkeit zu erlangen, Akzeptanz der Werte des Gastlandes, Einhaltung sämtlicher Grund- und Freiheitsrechte, usw., geknüpft ist. Nach spätestens drei Jahren soll die Integration so weit erfolgt sein, dass ein Eintritt in den Österreichischen Arbeitsmarkt möglich wird. Bei Integrationsverweigerung bzw. mangelndem Integrationswillen soll nur mehr die Grundversorgung, die derzeit nur für Asylwerber ausbezahlt wird, bis zum Wegfall des Asylgrundes ausbezahlt werden“, erklärt Schnedl die Notwendigkeit für Asylberechtigte bessere Instrumente mit dem Ziel der schnelleren Integration zu schaffen.

 „Auch bei der Familienbeihilfe sehen wir Änderungsbedarf. Es ist sicherzustellen, dass sich in Zukunft die Leistungen an den Lebenserhaltungskosten jenes Landes orientieren, in dem die Kinder Leben“, fordert Schnedl auch Änderungen bei der Familienbeihilfe ein und unterstützt damit den diesbezüglichen Vorschlag von Bundesminister Sebastian Kurz.

Digitalisierung: Eine Positionierung der FCG

Digitalisierung im historischen Kontext

Von der ersten Industriellen Revolution, wo die Einführung mechanischer Produktionsanlagen mit Hilfe von Wasser- und Dampfkraft, die Arbeit erleichtert hat, bis hin zur vierten Industriellen Revolution, welche viel mehr Bereiche erfasst als lediglich die Industrie.

Präambel

Die Arbeitswelt ändert sich grundlegend. Die industrielle Produktion ist längst nicht mehr der einzige Bereich, der durch die Digitalisierung massiv verändert wird. Digitalisierung durchdringt mittlerweile alle Arbeits- und Lebensbereiche.

Das Tempo der digitalen Durchdringung aller Lebensbereiche ist enorm und die Herausforderungen sind groß. Viele Formen von Arbeit verlieren die örtliche und zeitliche Gebundenheit. Dieses große Maß an möglicher Flexibilisierung birgt neben großen Chancen auch viele Risiken. Viele Tätigkeiten werden in Zukunft von Maschinen geleistet werden können. Ausgeklügelte Softwareprodukte werden in naher Zukunft viele Entscheidungsprozesse durch die Auswertung (immer mehr) vorhandener und leicht verfügbarer digitaler Daten aufbereiten können. Tätigkeiten, die bisher hoch qualifizierten Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern vorbehalten waren. Roboter lernen kognitive Fähigkeiten zu simulieren und Empathie zu zeigen.

Die verfügbare Datenmenge wächst ständig mit immer größerer Geschwindigkeit. Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Big Data ist das Schlagwort, das uns hier immer wieder begegnet. Die Digitalisierung aller Lebensbereiche ermöglicht einen völlig neuen Blick auf Sachverhalte. Diese Entwicklung steht erst am Beginn. Am Beginn der digitalen Revolution!

Auswirkungen auf die Arbeitswelt:

  • In der industriellen Produktion sowie in der Sachgütererzeugung übernehmen computergesteuerte Maschinen und Roboter immer häufiger und umfassender Produktionsprozesse, die früher durch Menschenhand abgewickelt wurden. Berufsbilder werden sich weiter grundlegend verändern oder ganz verschwinden. Beispiele: Werkzeugmacher, Mechaniker, Dreher, Drucker, etc.
    • Vorteil: Lohnkosten verlieren an Bedeutung, dadurch besteht die Möglichkeit Produktionsverlagerungen von Billiglohnländern wieder zurückzuholen.
    • Nachteil: Neu entstehende Arbeitsplätze gleichen die weggefallenen Arbeitsplätze nicht aus, von der steigenden Produktivität profitieren nur wenige.
  • Immer mehr Arbeitsprozesse werden durch Softwareprogramme erledigt. Entscheidungen, die früher von hochqualifizierten Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern getroffen wurden, werden anhand einer Fülle von digital verfügbaren Informationen durch Softwareprogramme gefällt. Beispiele: Kreditsachbearbeiter/innen, Anlageberater/innen, Versicherungsvertreter/innen, Betriebsprüfer/innen, etc.
    • Vorteil: schnelle Erledigung, einheitliche Standards.
    • Nachteil: qualifizierte Arbeitsplätze gehen in großer Zahl verloren und werden kaum durch neue ersetzt.
  • Der Einsatz von computergesteuerten Maschinen, Robotern und ausgeklügelte Software im Handel gewinnt an Bedeutung. Hier verändern der Internethandel und die technischen Möglichkeiten die derzeitige Situation grundlegend. Alleine die Möglichkeit des digitalen Supermarktes gefährdet in Österreich rund 200.000 Arbeitsplätze von Kassiererinnen und Kassierern bzw. Verkaufsfachkräften. Waren werden mit Chips beklebt, die Bezahlung erfolgt über die Bankomatkarte kontaktlos oder mit dem Handy. Kundinnen und Kunden brauchen nur mit dem Einkaufswagen durch den Scantunnel zu fahren. Die Waren müssen nicht mehr auf ein Förderband gelegt werden. Die Bezahlung erfolgt kontaktlos. Waren im Supermarkt werden durch Roboter nachgeschlichtet.
    • Vorteil: einfach, schnell und bequem für die Kundinnen und Kunden. Für die Supermarktketten ist durch die Kompletterfassung kein Warenschwund mehr möglich.
    • Nachteil: Eine Vielzahl an Arbeitsplätzen geht dauerhaft verloren. Gläserner Konsument.
  • Arbeit kann in fast allen Bereichen und Branchen von Ort und Zeit getrennt werden. Daraus folgt ein Mehr an Flexibilität (Arbeitszeit, etc.), das im Idealfall sowohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern zu Gute kommen kann. Zwei große Themenbereiche gewinnen an Bedeutung:
    • Teleworking: Mittlerweile gibt es in vielen Kollektivverträgen, als auch im Öffentlichen Dienst auf gesetzlicher Basis sehr gute Regelungen, die im Wesentlichen darauf beruhen, dass Teleworking nur im gegenseitigen Einverständnis eingeführt werden kann. Genaue Regeln sind dabei zu beachten.
      • Vorteil: Im Idealfall entsteht ein Flexibilitätsgewinn zum Vorteil von beiden Seiten. Auf der einen Seite fallen Fahrtkosten weg, auf der anderen Seite können Büroarbeitsplätze und damit Kosten reduziert werden.
      • Nachteil: Gefahr der Selbstausbeutung. Die Trennung zwischen Beruf und Privat verschwimmt zusehends.
    • Crowdsourcing oder auch Crowdworking: Der Begriff Crowdsourcing ist eine Wortkreation aus CROWD und OutSOURCING. Das sagt bereits viel – es ist eine Möglichkeit für Unternehmen Tätigkeiten, die mit dem Computer erledigt werden können an Anbieter auszulagern. Dieses Modell kennt keine Branchengrenzen. Grundsätzlich ist jede Arbeit, die am Computer erledigt werden kann „Crowdsourcing-fähig“. Kleine und mittlere Unternehmen nützen immer stärker diese Möglichkeit und optimieren dadurch Kosten – zu Lasten von Fixarbeitsplätzen. Mittlerweile gibt es mehr als 2.000 Anbieterplattformen. Auf der Plattform freelancer.com bieten aktuell mehr als 17 Millionen Freelancer ihre Dienste an. In den USA werden über solche Plattformen qualifizierte Tätigkeiten bereits um einen Stundenlohn von 1,50 Dollar angeboten.
      • Vorteil: Unternehmen können Kosten reduzieren und das Risiko zur Gänze an Anbieter bzw. Freelancer weltweit auslagern. Vorteile nur für Unternehmer!
      • Nachteil: Durch weltweite Konkurrenzsituation völlig ungeregelter Preiskampf, dadurch Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse. Im Fokus steht nur mehr und ausschließlich die Arbeitsleistung. Der Mensch dahinter wird nicht mehr gesehen. Damit liegt der Profit des Auftragsgebers im Mittelpunkt und nicht mehr der Mensch!
        Arbeitsrechtliche Regelungen – fehlen,
        Mindestlohn – fehlt,
        Arbeitnehmerschutz – fehlt, etc.
    • Umfassende Kontrollmöglichkeiten erfordern umfassende Schutzbestimmungen. Es muss sichergestellt werden, dass die Menschenwürde berührende Kontrollmaßnahmen verboten werden. Negativbeispiele wie bei Amazon bzw. Paketdiensten müssen zu wirksamen Regelungen führen, damit solche menschenunwürdige Praktiken sofort abgestellt werden.
      Es muss auch die Frage geklärt werden, wem die Daten gehören. Wenn beispielsweise über eine App Daten über den User gesammelt werden, so sollten diese Daten grundsätzlich dem User gehören und nicht dem Betreiber der App oder Google oder Apple oder Amazon, etc. Damit könnte man die Macht dieser Konzerne auf ein vernünftiges Maß einschränken.
    • Durch die beschriebenen Entwicklungen werden Arbeitsplätze im großen Stil verloren gehen. Es ist davon auszugehen, dass deutlich weniger neue Arbeitsplätze entstehen werden. Verschiedene ernst zu nehmende Studien gehen von einem Wegfall von 40 bis 60 % aller bisher bekannten Arbeitsplätze in den nächsten 10 bis 20 Jahren aus.
    • Wenngleich in Zukunft Roboter vielleicht auch komplexe menschliche Fähigkeiten simulieren können, so wird dennoch menschliche Zuwendung in vielen Berufen unersetzbar sein. Somit kann die Digitalisierung – gerade im Gesundheits- und Sozialbereich – eine Chance für Berufsgruppen sein, die derzeit sehr belastet sind.

Drei zentrale Fragestellungen:

  1. Wo findet die WERTSCHÖPFUNG statt und wo fließt das Geld hin?

Anstelle der bisherigen starren Wertschöpfungskette werden in Zukunft durch die Digitalisierung dynamische Wertschöpfungsnetzwerke entstehen. Anbieterplattformen von Dienstleistungen wie z.B. Freelancer.com, UBER, airbnb, etc., generieren Wertschöpfung in fast allen Ländern der Welt. Es muss sichergestellt werden, dass auch eine entsprechende Steuerleistung erbracht wird und das Geld nicht in sog. „Steueroasen“ versickert. Außerdem ist eine gleiche Wettbewerbssituation mit inländischen Anbietern herzustellen (Sozialversicherungsabgaben, etc.)

  1. Wie wird der GEWINN aus Arbeitseinsatz und Betriebsmitteleinsatz gerecht verteilt?

Wenn der Gewinn aus Arbeitseinsatz zurückgeht und jener aus Betriebsmitteleinsatz steigt, müssen neue Wege gefunden werden um diesen Gewinn gerecht zu verteilen. Diese Verteilungsfrage ist zum Wohle aller zu klären. Dabei darf es keine Tabus geben.

  1. Wie wird die FINANZIERUNG der sozialen Sicherungssysteme für die Zukunft gewährleistet?

Auch wenn in Zukunft weniger Arbeit vorhanden sein wird ist die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme zu gewährleisten. Das bedeutet neue Finanzierungsmöglichkeiten zu generieren. Die derzeitige an einem Arbeitsplatz gebundene Finanzierung ist zu eng gefasst.

Daraus ergeben sich folgende Handlungsfelder:

Handlungsfeld 1:

Digitalisierung muss das Leben aller verbessern und darf nicht ein Geldvermehrungsprogramm für einige wenige sein, die unermesslichen Reichtum anhäufen. Die neuen Techniken und Möglichkeiten wurden ja auch überwiegend von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern entwickelt. Sie sollen zumindest genauso davon profitieren wie die Unternehmerseite.

Handlungsfeld 2:

Computerprogramme und Roboter, seien sie auch noch so ausgeklügelt entwickelt, können die Fragen der Ethik und der Werte im Wirtschaftssystem nicht ersetzen. Jedes Wirtschaftssystem und jede Technik muss zum Wohle aller gestaltet sein und allen Menschen dienen und nicht umgekehrt. Das bedeutet, dass der Mensch im Mittelpunkt all dieser Entwicklungen bleiben muss.

Handlungsfeld 3:

Auch bei den nun möglich gewordenen neuen Arbeitsformen ist das Konzept der „Guten Arbeit“ von zentraler Bedeutung. Insbesondere bei Crowdsourcing und ähnlichen Auftraggeber- und Auftragnehmerbeziehungen sind verbindliche Regelungen durchzusetzen. Es darf zu keiner Prekarisierung breiter Bevölkerungsschichten und insbesondere unserer Jugend kommen!

Handlungsfeld 4:

Aus- und Weiterbildung bekommt einen zentralen Stellenwert. Die diesbezüglichen Möglichkeiten sind auszubauen und zu verbessern. Ebenso sind die technischen Voraussetzungen so schnell wie möglich zu schaffen. Dazu gehört der umfassende Breitbandausbau genauso wie die Ausstattung der Schulen mit den besten technischen Hilfsmitteln oder die Schaffung von digitalen alternsgerechten Arbeitsplätzen.

Handlungsfeld 5:

Da immer mehr Arbeit von Computern, computergesteuerten Maschinen, Robotern und Softwareprogrammen erledigt wird, ist die verbleibende Arbeitszeit gerecht zu verteilen. Damit muss die Arbeitszeitdiskussion neu geführt werden.

Handlungsfeld 6:

Die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme ist auf eine breitere Basis zu stellen. Die derzeit arbeitsplatzbezogene Finanzierung greift zu eng. Es ist auch sicherzustellen, dass außerhalb Europas produzierende Konzerne für Umsätze in Europa ihren Beitrag zur Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme leisten.

Handlungsfeld 7:

Für die Gewerkschaften liegt die große Herausforderung darin, die „freiberuflichen“ Anbieter von Leistungen als Mitglieder zu gewinnen. Die Abgrenzung zwischen Selbstständigkeit, Abhängigkeit von einem Auftraggeber, arbeitnehmerähnliche Verträge usw. ist schwer vorzunehmen. Dennoch müssen diese Personen wirkungsvoll vertreten und vor Ausbeutung und sozialem Abstieg geschützt werden.

In einem viel beachteten Vortrag im Zuge des letzten ÖVP-Parteitages hat der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann zur Thematik festgehalten: „Aber eines lässt sich mit Sicherheit sagen, wir steuern, und ich würde sagen, das ist ein großer Vorteil, in eine Gesellschaft, in der wir eigentlich, nachdem so viele Tätigkeiten maschinell erledigt werden können, in der wir eigentlich ein Mehr an Freiheit, ein Zugewinn an Großzügigkeit, ein Mehr an Muße realisieren können müssten. Und ich stelle Ihnen schon die Frage: Warum spüren wir nichts davon? Warum spüren wir nichts davon, dass wir unsere Industrieproduktionsprozesse automatisiert haben, dass wir unendlich viel Kreativität in unsere Wirtschaft haben fließen lassen, das Ziel aller Automatisierung, Maschinisierung. Und das war ja auch eine Idee des Bürgertums, des ökonomischen Bürgertums. Von Anfang an war es die Idee gewesen, den Menschen von Arbeit zu entlasten. D.h. also, warum geht nicht ein großes Aufatmen durch unsere Gesellschaft, dass wir dank unserer technischen Produktivität jetzt mehr Möglichkeiten haben, uns den wirklichen Dingen unseres Lebens, unseres Daseins zuzuwenden.“

Die dargestellten wichtigsten Handlungsfelder sind in einer gesamtgesellschaftlichen Debatte auch auf europäischer Ebene zu diskutieren. Die Zeit drängt und wir brauchen so rasch wie möglich akzeptable Lösungen, die für alle Menschen Verbesserungen bringen. Das Europäische Sozialmodell ist mit Hilfe der Möglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung ergeben, abzusichern und auszubauen. Das im FCG-Grundsatzprogramm enthaltene und geforderte Konzept der Ökosozialen Marktwirtschaft gewinnt vor diesem Hintergrund enorm an Bedeutung.

Hier finden Sie die Positionierung als PDF zum Download.

Gabriel: Keine politischen Kleinkriege auf dem Rücken der Familien



„Die Diskussion um das Kinderbetreuungsgeldkonto sowie den Papamonat führt schon vor der Einführung zu einer massiven Verunsicherung der Familien und das muss rasch beendet werden“, kritisiert die FCG-Bundesfrauenvorsitzende Monika Gabriel, die öffentliche Diskussion.



„Die Sozialversicherung der Väter im Familienzeitbonusgesetz ist gegeben, allerdings liegt die Pensionsversicherung für dieses Monat derzeit noch in der Eigenverantwortung der Väter. Diese Pensionsversicherung gesetzlich zu regeln, fällt in den Aufgabenbereich des Sozialministers. Es wäre wünschenswert, wenn die Väter im Papamonat auch automatisch pensionsversichert sind“, so Gabriel weiter. 



Gabriel erinnert abschließend: „Die partnerschaftliche Möglichkeit zur teilweise aktiven und dennoch gemeinsamen Kinderbetreuung wäre mit diesem Gesetz gewährleistet. Die Einführung des Kinderbetreuungsgeldkontos ist eine moderne Art und Weise zu mehr gemeinsamer Verantwortung dem Kinde gegenüber und wird von Eltern und Sozialpartnern zu Recht gefordert und sollte daher so rasch als möglich umgesetzt werden.“