Zauberwort Autonomie

Unter dem Titel „Autonomiepaket“ wurde von der Regierung ein schulisches Strukturpaket in Begutachtung geschickt. Die Vergrößerung der Führungsspanne durch Schaffung von Einheiten mit bis zu 2.500 Schülerinnen und Schülern und acht Schulen oder die ersatzlose Streichung von Klassenschülerhöchstzahlen und Teilungs- zahlen etwa für den Fremdsprachenunterricht tragen jedenfalls reichlich wenig zur Lösung der existierenden Herausforderungen bei. Dafür wären zusätzliche Sprachförderung, Unterstützung bei Migration und Integration, verstärkte Begabtenförderung und Ähnliches erforderlich.

Mehr echte Autonomie täte der Schule gut. Könnten Lehrerinnen und Lehrer den ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler Besseres mit auf den Lebensweg geben als „die Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen“, wie es Adorno in seiner „Erziehung zur Mündigkeit“ ausdrückte, der in Autonomie „die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz“ sah? Könnte der Schule Besseres widerfahren, als wieder mehr echte, weil finanziell ausreichend dotierte Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit zurückzubekommen? Denn wer sollte besser wissen als die Lehrerinnen und Lehrer, was für die eine Klasse passt, für die andere aber nicht? Wäre es nicht klug, das Prinzip der Subsidiarität zu leben und den Schulen mehr pädagogische Freiheit zu geben, als sie in ein enges und oft fragwürdiges Korsett zu zwängen?

Echte Selbstbestimmung ja, getarnte Fremdbestimmung mit Sparkomponente nein!
Ob die Politik das auch so sieht?