Digitalisierung: „Den Wandel gestalten“

Kommentar von Alfred Zankanella

Die Schlagwörter Globalisierung, Digitalisierung, Robotisierung, künstliche Intelligenz trampeln wie wild gewordene Pferde durch den Arbeitsmarkt. Mit ihnen kommt eine neue und stark veränderte Arbeitswelt. 

Harte Tatsachen 

Seit dem Einsatz von Computern, Internet und Robotern in vielen Branchen, hat sich die Welt verändert. Künstliche Intelligenz in Maschinen ist der nächste Schritt. Eine neue und andere Form von Wirtschaft entsteht. Produktion, Handel und der gesamte Arbeitsmarkt verändern sich.

Harte Wahrheiten 

Amazon beschäftigt im Lager fast so viele Roboter wie Menschen. In einigen Branchen geht fast ein Drittel der menschlichen Arbeitsplätze verloren. Neue Arbeitsplätze sollen kommen – statistisch wenigstens, d.h. zahlenmäßig. Die neuen Arbeitsplätze brauchen allerdings eine neue und höhere Qualifikation. 

Bisher waren Arbeit und Sozialversicherung aneinandergebunden. Roboter (und ihre Besitzer) zahlen keine Sozialversicherung. Und: 28% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befinden sich jetzt schon in einem sogenannten prekären Arbeitsverhältnis, davon viele im Niedriglohnsektor. Der Rest arbeitet in Teilzeit aber auch in „Homework“, basierend auf Jobs von Internetplattformen. 60% der geringfügig Beschäftigten sind unter 35 Jahre alt! Da stellt sich die Frage: Wie wird ihre Alterspension aussehen? 

Arbeit neu 

Der gewerkschaftliche und gesetzliche Begriff „Erwerbsarbeit“ muss neu gefasst werden: der „Industrie 4.0“ muss die „Arbeit 4.0“ gegenüberstehen. In der „alten“ Industrie war vieles, auch im Büro, Handarbeit mit Köpfchen. Im Digitalen Zeitalter geht es um Kopfarbeit mit körperlichem Einsatz. Computer und computergestützte Maschinen werden von Personen bedient. Rhythmus und Tempo der Maschinen werden Taktgeber für den Menschen. 

Der Arbeitsplatz ist nicht immer die „Firma“. Bisher stellte der Arbeitgeber Räume, Maschinen, Werkzeug und Arbeitsprogramm. Er trug das unternehmerische Risiko. Jetzt trägt das oft die Auftragnehmerin / der Auftragnehmer. Vor allem die „Ein-Personen-Unternehmen“ haben bisher keinen Platz im Sozial- und Arbeitsrecht. 

Die Arbeitszeit ist ungeregelt (oft höher), der Lohn ist oft geringer. Die Produktivität wächst, der Mensch wird dabei krank und hat kaum Anteil am Produktivitätszuwachs. Perioden der Arbeitslosigkeit unterbrechen Versicherungszeiten. 

Gewerkschaft und Wirtschaft sind gefordert 

Daher brauchen wir neue Regelungen für Erwerbsarbeit, Arbeitsschutz, Arbeitszeit und versicherungsmäßig anrechenbare Arbeitsperioden. Sie müssen rechtlich-bindend, wirtschaftlich-erträglich und zukunftsorientiert sein, denn die Entwicklung nimmt an Tempo zu. Dabei sind alle gefordert: Gewerkschaften, die Wirtschaft und der gesetzgebende Staat. Er soll ja das Gemeinwohl – das Wohlergehen aller Bürger – sichern. 

Sozialpartnerschaft neu 

Um das zu erreichen, braucht es nicht weniger, sondern mehr und eine neue Form der Sozialpartnerschaft. Neue Modelle für Erwerbsarbeit, Arbeitszeit und Karriereplanung sollen der Arbeitnehmerin / dem Arbeitnehmer eine sichere Zukunft geben. Lebenslanges Lernen, Umschulung und Bildungskarenz gewinnen an Bedeutung. Auch die pensionswirksame Anrechnung dieser Bildungszeiten steht zur Diskussion. 

Bildung und Weiterbildung als Weg 

Dabei braucht die Wirtschaft, mit ständig neuen technischen und digitalen Anforderungen, aber auch die Arbeitnehmerin / der Arbeitnehmer, die Neues „lernen“ müssen, die Möglichkeit der Bildung. Umschulung und Weiterbildung sind Anteile am Produktivitätsgewinn. Alle sind Nutznießer davon, so auch der Staat, der durch Steuern und Abgaben aus Arbeit und Produktion Wirtschaft stützen und Sozialpolitik finanzieren kann. 

Abschied von gestern 

Wer der Vergangenheit nachtrauert, ist heute von gestern. Wer nur ans Heute denkt, ist schon morgen von gestern. Das gilt auch für uns Christgewerkschafterinnen und Christgewerkschafter. Weil der Mensch im Mittelpunkt steht, müssen wir mit Blick in die Zukunft jetzt die ersten Schritte planen. Als Gewerkschaft im Gespräch mit Wirtschaft und Regierung. Als Kolleginnen und Kollegen im Gespräch mit allen, vor allem mit den Jungen: Wir brauchen alle nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Motivation zum lebenslangen Lernen.